Andacht vom 26. September 2020

Nachricht 26. September 2020

Wer freundlich redet ...

Wenn ich morgens oder auch mal abends zum Bäcker gehe, sage ich noch als Erstes, vor Beginn der Bestellung, „Moin“. Hier ist das nicht unüblich. 

Doch je weiter südlich man sich in Deutschland bewegt, desto wahrscheinlicher ist es, dass man auf ein abendliches „Moin“ ein leicht fragendes „Guten Morgen?!“ erhält. Es ist schon interessant, wie ein kurzes, freundliches Wort wie „Moin“ bereits für Irritationen sorgen kann und dazu führt, dass man eine unpassende Antwort erhält. Sollte das Gespräch jetzt mit Plattdeutsch auf der einen und Bayerisch auf der anderen Seite weitergehen, dürfte es spannend werden, was dabei herauskommt.

Noch schwieriger wird es, wenn Menschen gänzlich verschiedene Sprachen sprechen, da sind Missverständnisse vorherprogrammiert.

Sowieso ist Kommunikation ein schwieriges Feld. Wie oft passiert es auch bei uns, dass beide dieselbe Sprache, sogar denselben Dialekt sprechen, und sich nicht verstehen?

Denn auch Worte können schaden und sie können Angst machen, besonders wenn man nicht einschätzen kann, wie sie z. B. beim Gegenüber ankommen. Auf ein „Moin“ folgt ein unpassendes „Guten Morgen“.

Doch meistens sind es nicht unbedingt die Worte, die wir sagen, sondern wie wir die Worte sagen. Wenn wir nicht miteinander reden, sondern gegeneinander, dann entstehen die Probleme.  

Ich sehe das immer mehr, sei es der unfreundliche Umgangston, wenn jemand etwas nicht passt, oder aber auch im Internet, wenn man (halb)anonym seine Wut über andere ablässt. Das ist nicht okay, das ist gegeneinander, nicht miteinander.

Ein freundliches „Moin“ bleibt jedoch ein Moin, selbst wenn es falsch verstanden wird. Denn auch ein freundliches „Guten Morgen“ darauf, ist ja nett gemeint. Man redet immerhin miteinander.

Nicht gegeneinander!

„Freundliche Reden sind Honigseim,
süß für die Seele und heilsam für die Glieder.“ Das steht schon in der Bibel. 

Und es stimmt, denn gemeint ist: Wer freundlich redet, bekommt oft freundliche Wörter zurück. Das tut gut, das kann Barrieren lösen. Ein Lächeln auch über Sprache und Kulturen hinweg, sagt mehr als tausend Worte.

Das ist Balsam, das ist ein Miteinander.

Und ein Thema für so ein Gespräch, das findet sich immer, alles beginnt mit einem freundlichen „Grüß Gott“, „Hallo“ oder eben „Moin!“

Keno Eisbein, Pastor in Soltau