Andacht vom 11. November 2020

Nachricht 11. November 2020

Volkstrauertag

Die Corona-Pandemie macht auch das Gedenken an die Opfer von Krieg und Vertreibung in diesem Jahr schwierig. 

Geplante Veranstaltungen fallen zum Teil komplett aus oder Kränze werden ohne Beteiligung der Öffentlichkeit an den Gedenkstätten abgelegt. Doch wichtig ist dieser „Mahntag für den Frieden“ zu allen Zeiten der jüngeren deutschen Geschichte gewesen, auch wenn über Sinn und Zwecke immer diskutiert wurde.

An diesem Tag wird an alle Toten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und ihrer Verbrechen, aber auch die Toten in den aktuellen Kriegen und auf den Fluchtrouten gedacht. Das Sprechen des Totengedenkens in diesem weiten Horizont wurde von Bundespräsident Theodor Heuss schon 1952 eingeführt. „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.“, so beginnt es. Und es schließt mit den Worten „Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Der Volkstrauertag 2020 wird anders begangen werden als in den Jahren zuvor. Und doch brauchen wir diesen „Mahntag für den Frieden“ vielleicht gerade dringender als in den vergangenen Jahren. Hassreden werden besonders im digitalen Bereich geführt. Rechtsextreme Gruppierungen demonstrieren mit gegen die Corona-Maßnahmen. Journalisten werden dabei bedroht und körperlich angegangen. Ausgerechnet am 9. November, dem Gedenktag der Novemberprogrome, müssen Gedenkveranstaltungen ausfallen, einige Kundgebungen mit rechtsextremen Rednern durften stattfinden. 

Bei diesem „Mahntag zum Frieden“ kommen wir an einem provozierenden und quer zu Welt stehenden Wort von Jesus nicht vorbei: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. …Wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr besonderes?“ (Matthäus 5, 44-45,47) “. Man kann wohl sein Leben lang über diese Sätze nachdenken. Sie können aber unser Gedenken leiten an diesem „Mahntag zum Frieden.

Wilko Burgwal