Es ist wohl, was es ist – und doch würde ich es gerne verstehen. Ich fühle es auch und bin dankbar, dass es so ist und zugleich wäre es so viel leichter es ein für alle Mal klar zu haben, oder? Vorboten kündigen es an und zugleich trifft es mich immer wieder wie ein Schlag und am Ende steht wieder: „Mama, auch wenn wir uns streiten, weiß ich, dass du mich liebst.“ Und ich bestätige sie, die mittlerweile Sechs-Jährige, und sage: „Ja, wenn du mir egal wärst, dann könnte ich mir den Stress auch sparen, aber dadurch, dass du mir wichtig, lieb und teuer bist, bleibe ich an dir dran und werde mich wieder und wieder mit dir auseinandersetzen, wenn es nötig ist.“ Wir nehmen uns in den Arm und sie geht schlafen. Da sein, ansprechbar bleiben, ein Gegenüber bieten, einander zur Gewissheit werden und aneinander dranbleiben – gemeinsam durch die stürmischen Momente auf den Weg zurück ins Leben. Aneinander dranbleiben, weil auch wir zu keinem Zeitpunkt unseres Lebens uns selbst überlassen sind. Sich von der Zuversicht und der Hoffnung tragen lassen, weil diese Welt schon längst untergegangen wäre, wenn es nicht beides für sie gäbe. Sich für ein Miteinander einsetzen, dass von der Besonderheit eines jeden Menschen ausgeht. Sich anfragen lassen, weil sich nur so Standpunkte ausbilden lassen. Leben, streiten, verhandeln, zueinander finden, gemeinsam vorwärts gehen, weil mein Herz mich an den anderen bindet und mir der Umgang miteinander nicht egal ist. Zu viele Prämissen?
Ja, sicherlich ließe sich auch einfach durchs Leben kommen, aber ist einfach auch besser? Was genau habe ich dadurch gewonnen? Die Welt lässt sich durch mich nicht mehr retten, denn das hat schon ein anderer getan, und zwar schon vor über 2000 Jahren. Danken wir‘s ihm, indem wir seinen Geist, seine Geistkraft unter uns spürbar werden lassen. Ein Hirngespinst? Ich denke nicht, denn eine tragendere Zuversicht, eine stärkendere Hoffnung und ein fröhlicheres Korrektiv ist mir noch nicht begegnet. Darum glaube ich.
Kerstin Wackerbarth, Pastorin in Munster