Die Welt wirkt rauer. Der Ton in Diskussionen ist schärfer geworden. Meinungen prallen aufeinander. Und auch im eigenen Herzen kann es manchmal erstaunlich streng zugehen. Dem setzt die diesjährige Fastenaktion „7 Wochen ohne…“ der Evangelischen Kirche in diesem Jahr das Motto „Mit Gefühl: Sieben Wochen ohne Härte“ entgegen. Vielleicht tut diese Einladung gerade jetzt in der Passionszeit besonders gut. 7 Wochen bis Ostern. 7 Wochen bewusst leben. 7 Wochen ohne Härte und stattdessen mit mehr Gefühl.
Fasten heißt nicht nur, auf Schokolade, Fleisch oder Alkohol zu verzichten. Fasten ist mehr als ein Diätprogramm. Es ist eine Bewegung, die sich nach innen richtet. Eine Zeit der Einkehr, der Umkehr und der Besinnung auf Gott und sich selbst. Entscheidend ist weniger das Was als das Wie. Wie gehe ich durch meinen Alltag? Wie begegne ich anderen? Wie gehe ich mit mir selbst um?
Härte kann viele Gesichter haben. Sie zeigt sich in vorschnellen Urteilen, in abwertenden Kommentaren im Netz oder am Küchentisch oder in dem Gefühl nicht gut genug zu sein.
Jesus hat Menschen nicht festgelegt auf ihre Fehler, sondern ihnen neue Perspektiven eröffnet. Während andere schon ihr Urteil gefällt hatten, hat er sich dem Menschen liebevoll zugewendet. Er hat den Einzelnen hinter der Geschichte gesehen und hört denen zu, die übersehen werden. Wo niemand sonst hingehen wollte, dort war er unterwegs und hat die Menschen aufgerichtet. Jesus sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6,36). Diese Haltung verändert etwas, nicht nur bei anderen, sondern auch im eigenen Herzen.
„Sieben Wochen ohne Härte“ könnte heißen: Ich atme einmal tief durch, bevor ich antworte. Ich frage nach, statt zu unterstellen. Ich halte Widerspruch aus, ohne den anderen kleinzumachen. Ich gehe freundlicher mit mir selbst um. Vielleicht ist genau das in den nächsten Wochen dran: ein bisschen weniger Härte und ein bisschen mehr Mit-Gefühl.
Jasmin Reibchen, Vikarin in Bispingen