Zwischenzeit

Nachricht 04. April 2026

Andacht vom 04. April 2026

In den alten Kirchenordnungen war der heutige Tag, der Karsamstag, ein wichtiger Schritt auf dem Weg von der Erschütterung und Verzweiflung hin zum Leben. Ein Zwischenschritt vom Schrecken des Karfreitags in Richtung Ostern – aber eben noch nicht Ostern selbst. Um das auszudrücken, gab es einige Bräuche und Sitten, die diese Zeit des Überganges erlebbar machten:

Zum Beispiel schwiegen die Kirchenglocken in der Zeit von Gründonnerstagabend bis zur Osternachtsfeier. Auch die Kerzen standen nicht auf dem Altar, das Lektionar, das Buch mit den gottesdienstlichen Lesungen und auch die Bibel selbst waren vom Altar abgeräumt. Wenn etwas auf dem Altar stand, dann war es das Kruzifix – und auch das war meistens verhüllt. In einigen Kirchen hat sich dieser Brauch erhalten.

Alles symbolisiert das Sterben, den Tod und das Verderben, das im Karfreitag sein deutlichstes Symbol hat: Und es ist eben nicht nur das Symbol des Sterbens des Einen – sondern das Sterben dieses Einen, der Tod Jesu, ist der Kristallisationspunkt der Angst, der Verlorenheit und des Scheiterns von uns Allen; daran erinnert der Karsamstag.

Aber gleichzeitig konfrontiert dieser Tag die Leidensgeschichten mit dem Wunder, dass Gott dem Verlorenen, den Verlorenen neues Leben schenkt! In der alten Kirche wurde am Karsamstagabend irgendwo in der Feldmark, irgendwo am Rande der Dörfer oder Städte, das „Oster“feuer entzündet – als Symbol, das alles Leben zu Grunde geht! Und an dem lodernden Feuer wurde die Osterkerze entzündet – als Symbol der Hoffnung, die Gott in der Auferstehung Christi der Welt schenkt! Diese Osterkerze wurde dann in die nächtlichen Ostergottesdienste getragen – mit dem Ruf: „Christus ist das Licht!“ Und die Gemeinde antwortete: „Gott sei ewig Dank!“ Und dann wurde das Licht in den Reihen der Gottesdienstgemeinde vom einen zum andern weitergeben, bis die dunkle Kirche in Laufe der Nacht vom Licht durchdrungen war.

In Soltau feiern die Gemeinden das bis heute, wenn auch am frühen, noch dunklen Morgen; das Licht der Hoffnung strahlt, bis es völliger Tag ist!

Diese Zwischenzeit zwischen Tod und neuem Leben ist eine Hilfe zur Hoffnung – gerade für uns, die wir meinen, nur das Entweder-Oder, entweder Glück oder Verzweiflung gäbe es. Die Alten wussten es besser: Gott führt den Weg zum Leben – in Christi Tod und Auferstehung öffnet sich dieser Weg auch für uns …

Heiko Schütte, Superintendent im Kirchenkreis Soltau