Berlin, 19. Februar 2026. Der russische Einmarsch in der Ukraine, der sich am 24. Februar zum vierten Mal jährt, hat rund 15 Millionen Menschen tief traumatisiert. Angriffe auf die Energieinfrastruktur gefährden das Überleben Hunderttausender Menschen bei anhaltender Winterkälte. Das evangelische Hilfswerk Diakonie Katastrophenhilfe setzt ein zusätzliches Winterhilfe-Programm um, um das Leid zu mindern. Partner des evangelischen Entwicklungswerks Brot für die Welt weisen auf die langfristigen sozialen Folgen des Krieges in der Ukraine hin.
Der Beschuss von Energieanlagen durch Russland hat die humanitäre Lage in der Ukraine verschärft. „Hunderttausende Menschen sind seit vielen Wochen bei Minusgraden ohne Strom, ohne Wasser oder ohne Heizung. Die Kälte wird in dieser Phase des Kriegs als Waffe eingesetzt, um die Menschen zu brechen“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. „Mit diesem Vorgehen hat der Krieg eine neue Dimension erreicht, welches unverhältnismäßig viel Leid für die Zivilbevölkerung erzeugt und völkerrechtswidrig ist.“ Mit Blick auf Gespräche zwischen Russland und der Ukraine sagt Martin Keßler: „Der Schutz der Zivilbevölkerung darf nicht Verhandlungsmasse sein, sondern ist völkerrechtlich vorgeschrieben.“
Ein Ende des außergewöhnlich kalten Winters ist noch nicht in Sicht. „Mit einem zusätzlichen Winterhilfe-Programm unterstützen wir mehr als 700 Familien in Kyjiw und Dnipro. Mit Gutscheinen können Familien Brennstoff, Reparaturmaterial oder Kleidung gegen die anhaltende Kälte kaufen“, sagt Andrij Waskowycz, Büroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe in Kyjiw. Die Maßnahmen ergänzen laufende Hilfsprojekte, die unter anderem Evakuierungen, die Reparatur von Wohnraum oder verstärkt psychosoziale Maßnahmen beinhalten. „Mindestens 15 Millionen Menschen sind durch den Krieg traumatisiert. Das hinterlässt tiefe Spuren in der gesamten Gesellschaft“, sagt Waskowycz.
Geld für Humanitäre Hilfe konzentriert sich zunehmend auf die Frontregionen, während Hilfsprogramme in zentraleren Teilen der Ukraine zurückgehen. Dort suchen die meisten der rund 3,6 Millionen Binnenvertriebenen Schutz. „Die Suche nach Hilfe wird zu einem gefährlichen Pull-Faktor, wenn viele Vertriebene eine Rückkehr in frontnahe Gebiete in Betracht ziehen. Hilfe muss deshalb in der gesamten Ukraine geleistet werden, um das zu vermeiden“, warnt Waskowycz.