Bitte-Danke-Platz

Nachricht 09. Mai 2026

Andacht vom 09. Mai 2026

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Bei uns am Küchentisch gibt es den sogenannten „Bitte-Danke-Platz“. Wer hier sitzt, hat die manchmal etwas mühsame Aufgabe, alles weiterzureichen und Teller zu füllen. Doch gerade an diesem Platz fallen besonders oft die Worte „Bitte“ und „Danke“, Worte, die gut tun.

Bitten und Danken fällt uns jedoch nicht immer leicht. Manche Bitten bleiben uns im Hals stecken, und manche sprechen wir gar nicht erst aus. Besonders dann, wenn es um ernste Probleme geht oder wir dringend Hilfe benötigen. Ähnlich verhält es sich oft im Blick auf Gott: Wann bitten wir ihn um Hilfe?

Der morgige Sonntag Rogate („Betet!“) lenkt unsere Aufmerksamkeit genau darauf. Doch was bedeutet beten eigentlich? Im Grunde ist das Beten etwas ganz Einfaches: bitten, danken, klagen, hoffen. Wer betet, sucht Hilfe oder Zuspruch, Orientierung oder Worte für das, was sich vielleicht niemand anderem sagen lässt. Dabei zählen die eigenen Worte, egal ob gesprochen oder gedacht, ob leise oder laut. Beten ist weder an einen bestimmten Ort gebunden noch erfordert es besondere Fähigkeiten. Es darf schlicht aus dem Herzen kommen, wenn wir unsere Worte an Gott richten.

Der biblische Wochenspruch (Psalm 66,20) sagt dazu: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“

Der Bitte-Danke-Platz unseres Lebens gehört letztlich Gott. Alles darf vor ihn kommen – das Ausgesprochene wie das Unausgesprochene. Nichts wird überhört, nichts verworfen. Gott sitzt uns gegenüber, hört zu, sieht uns und fühlt mit. Er reicht uns zwar kein Essen weiter, dafür aber umso mehr seine Liebe. Wir dürfen ihn um etwas bitten, ihm danken, klagen und hoffen.

Am morgigen Sonntag ist zudem Muttertag. Auch das ist für viele ein Anlass, einem Menschen zu danken, der im Leben oft selbst auf dem Bitte-Danke-Platz sitzt. Ob es die eigene Mutter ist oder eine andere nahestehende Person, spielt dabei keine Rolle. Dankbarkeit ist nicht auf einen Tag beschränkt und es muss auch nicht die eigene Mutter sein, der wir morgen danken. Entscheidend ist die Gewissheit: Es gibt Menschen, die tragen, die hoffen, die still für andere da sind. Die mit Fürsorge, Geduld und Liebe zuhören und begleiten. Menschen, die wir um etwas bitten können und von denen wir dankbar empfangen.

Wo wir bitten und danken, weitergeben und empfangen, wo wir einander wahrnehmen, wird spürbar: Wir sitzen nie allein an unserem Platz. So, wie wir vielleicht den Bitte-Danke-Platz für manche einnehmen, ist Gott immer für uns alle da, sitzt uns gegenüber, hört zu und bleibt.

 

Jenny Eisbein, Dipl.-Theologin und Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises Soltau