Gedanken zum Sonntag am 26. April 2026
Finden Sie nicht auch, dass wir häufiger jubeln sollten? Ja? Dann lesen Sie bitte weiter und jubeln danach vielleicht bewusster. Nein? Dann lesen Sie bitte auch weiter und lassen sich vielleicht vom bewussten Jubeln überzeugen. Hier geht es nämlich nicht um einfaches Jubeln, hier geht es um Jubeln 2.0.
Hier, das sind die Gedanken zum Sonntag Jubilate, zu Deutsch: Jubelt! Es ist der Sonntag, an dem es zum einen um Gottes Schöpfung geht. Die erleben wir zurzeit in der schönsten Frühlingspracht. Die schönen blühenden Bäume und Blumen, der Geruch nach Frühling in der Luft. Wenn ich dieser Tage durch die Natur wandere oder, was häufiger der Fall ist, diese mit dem Rad erfahre, dann kriege ich das Bedürfnis zu jubeln – zusammen mit der Natur, die doch anscheinend ebenfalls jubelt.
Sie wollen einwenden, dass es der Natur keineswegs gut geht, dass sie nur bedingt Grund zum Jubeln hat? Und insgesamt sei die Lage in der Welt und unserem Land wenig erfreulich. Da sei sorgloses Jubeln alles andere als angemessen. Sie haben völlig recht, wir sind nämlich erst bei Jubeln 1.0. Zum Jubeln 2.0 gehört noch das andere, worum es am Sonntag Jubilate geht. Dieses ertönt im Wochenspruch aus Paulus’ Zweitem Korintherbrief: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor 5,17) Dieses andere ist das Wissen darum, dass Gottes Schöpfung bei weitem nicht mehr so gut ist wie ursprünglich vorgesehen. Nicht zuletzt gilt dies für uns Menschen, die wir als Teil der Schöpfung dieser gehörig zusetzen – der Natur ebenso wie unseren Mitmenschen. Zugleich sind wir Christen aber davon überzeugt, dass Gott die Welt erneuern möchte und bei uns bereits damit angefangen hat.
Das hat Konsequenzen für das Jubeln über den Frühling. Es wird zum Jubeln 2.0 – einem bewussten Jubeln über alles Schöne auf der Welt. Einem Jubeln im Wissen um die Probleme, aber auch um Gottes Absicht, dass es wieder gut werden soll. Einem Jubeln, bei dem ich auch um meine eigene Verantwortung weiß. Denn als neue Kreatur kann ich mich gegenüber der Schöpfung nicht verhalten wie zuvor.
P.S.: Fährt in den nächsten Tagen ein jubelnder Rennradfahrer an Ihnen vorbei, vielleicht bin ich das.
Dr. Heiko Wojtkowiak, Kandidat des Predigtamts, Kirchenkreis Soltau