„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Nachricht 27. Juni 2026

Andacht vom 27. Juni 2026

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2)

Manchmal erkennt man die Lasten eines Menschen auf den ersten Blick. Jemand geht am Stock, trägt schwere Einkaufstaschen oder wirkt erschöpft. Doch oft sind die schwersten Lasten unsichtbar: Sorgen um die Familie, Einsamkeit, Krankheit, Trauer, Zukunftsängste oder Enttäuschungen.

Der Apostel Paulus schreibt: „Einer trage des andern Last.“ Er sagt nicht: „Jeder trage nur seine eigene Last.“ Auch nicht: „Löst die Probleme der anderen.“ Sondern: Tragt miteinander.

Das ist ein wunderschönes Bild für christliches Leben. Niemand muss alles allein schaffen. Gott hat uns als Gemeinschaft geschaffen. Wir brauchen Menschen, die zuhören, ermutigen, mitgehen und manchmal einfach nur da sind.

Ich denke dabei oft an eine Erfahrung aus meiner Zeit als Pastor in Ägypten. Wenn eine Familie in Not geriet, kamen Nachbarn, Freunde und Gemeindeglieder zusammen. Einer brachte Brot, ein anderer Zeit, ein dritter Trost und Gebet. Die Last wurde nicht weggezaubert, aber sie wurde leichter, weil sie gemeinsam getragen wurde.

Genau so hat Jesus gehandelt. Er sah die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten. Er ging nicht an ihnen vorbei. Er nahm sich Zeit, hörte zu, heilte und trug ihre Lasten. Am Kreuz hat er sogar die Last unserer Schuld auf sich genommen. Darum nennt Paulus die gegenseitige Fürsorge das „Gesetz Christi“ – das Gesetz der Liebe.

Vielleicht kennen Sie jemanden, der gerade eine Last trägt. Ein Anruf, ein Besuch, ein freundliches Wort oder ein offenes Ohr können mehr bewirken, als wir ahnen.

Und vielleicht sind Sie selbst gerade belastet. Dann dürfen Sie wissen: Sie müssen nicht alles allein tragen. Gott stellt Menschen an Ihre Seite. Und er selbst verspricht: „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.“

Möge Gott uns offene Augen schenken für die Lasten unserer Mitmenschen und den Mut, füreinander da zu sein.

Gebet:

Herr Jesus Christus,

du kennst unsere Sorgen und Belastungen.

Schenke uns ein offenes Herz für die Menschen um uns herum.

Hilf uns, einander zu tragen, zu trösten und zu ermutigen.

Und wenn wir selbst schwere Lasten tragen, dann lass uns deine Nähe spüren.

Denn bei dir finden wir Kraft und Hoffnung.

Amen.

 

Ihr

Pastor Dr. Francis Abdelmassieh, verbundenes Pfarramt der Kirchengemeinden Luther und St.-Johannis Soltau und Heilig-Geist Wolterdingen