Schade eigentlich, dass die Urlaubszeit schon wieder vorbei ist. Bei den meisten jedenfalls:
Die Kinder haben den normalen Trott fast schon wieder gewonnen. Abends gehen sie so gut wie freiwillig zu Bett. Und morgens klappt es mit dem Aufstehen auch schon so einigermaßen. Die Wäscheberge des Urlaubs sind längst schon wieder aus dem Flur verschwunden und gewaschen. Und die Urlaubsbilder sind auch schon irgendwie sortiert – geht ja alles irgendwie schneller heutzutage.
Der Alltag hat einen wieder im Griff. Vor dem Urlaub beiseitegelegte Arbeit hat sich wieder gemeldet. Manche mehr, manche weniger dringlich.
Ja, es hat auch irgendwie etwas gutes, wenn der Alltag mit seinen gewohnten Abläufen einen wiederhat und alles wieder ihren seinen gewohnten Rhythmus geht – sagt einem jedenfalls die Stimme des inneren Pflichtbewusstseins. Mehr oder weniger deutlich. Noch nicht ganz so überzeugend, wie in ein paar Wochen.
Und noch nicht so gequält, wie in ein paar Monaten.
Es ist schon gut, dass es die Urlaubs- und Ferienzeit gibt. Egal, wie man sie nun im konkreten gestaltet, ob mit Flug oder auf Schusters Rappen: einmal raus, einmal etwas ganz anderes tun, einmal die Dinge, die man sonst tut, von außen ansehen. Einmal sich besinnen.
Meine Großmutter sagte das öfter: Beim Wecken am Morgen. Sie weckte mich – aber ließ mich noch ein paar Momente liegen: „Besinn dich man erstmal!“
Sortier deine Träume und Wünsche. Finde die feine Unterscheidung zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Oder zwischen Alptraum und Verlässlichkeit. Und dann, wenn du deine Sinne beisammenhast, dann kannst du in den Tag marschieren.
Also: nicht einfach losstürmen. Sondern ein paar Minuten besinnen. Und noch einmal träumen: von den Tagen des Urlaubs. Vielleicht mit der Kaffeetasse in der Hand. Eine, zwei Minuten täglich: Besinnen auf das, was trägt und einen hält.
Und dann - geht’s ran an den Tag und die Arbeit.
Heiko Schütte, Superintendent des Kirchenkreises Soltau