Gottes Manga?

Nachricht 26. September 2026

Andacht vom 26. September 2026

Heute ist Manga-Day, ein deutschlandweiter Aktionstag, an dem auch hier bei uns in Bibliotheken und Buchhandlungen kostenlose Manga-Leseproben verteilt werden.

Auf den ersten Blick haben Manga und Bibel wenig gemeinsam. Die Bibel lebt vom Text, der Manga von seinen Bildern. Während ein Manga oft kaum mehr als 100 Seiten umfasst, kommt eine Standardbibel locker auf über 1.000.

Doch eines verbindet sie: Beide faszinieren Menschen mit Geschichten und erzählen von Dingen, die eigentlich unmöglich scheinen. Da stellt sich die Frage: Wäre die Bibel, wenn sie heute entstanden wäre, vielleicht ein Manga geworden?

So abwegig ist der Gedanke gar nicht. Ein Mann wird zum Beispiel von seinen Brüdern verkauft und steht Jahre später als einer der mächtigsten Männer Ägyptens vor ihnen, an anderer Stelle wird einmal die ganze Welt geflutet und nur eine einzige Arche bleibt samt Tiere und Menschen übrig. Und schließlich zieht ein Zimmermann mit seinen Anhängern durchs Land, legt sich mit den Mächtigen an und tut Dinge, die unmöglich erscheinen. Dann zeigt sich: Er ist Gottes Sohn.

Stoff für einige Manga-Bände wäre also vorhanden.

Doch die eigentliche Gemeinsamkeit liegt vielleicht woanders. Gute Geschichten lassen uns durch die Augen anderer Menschen sehen. Sie bringen uns zum Lachen oder Weinen und beschäftigen uns noch lange danach.

Genau das will auch die Bibel. Ihre Figuren sind keine perfekten Helden. Sie zweifeln, scheitern, streiten und treffen schlechte Entscheidungen. Und mittendrin begegnet ihnen ein Gott, der Menschen nicht einfach abschreibt. Ein Gott, der ihre Nähe sucht, Hoffnung schenkt, wo keine mehr zu sehen ist, vergibt, wo Schuld entstanden ist, und in Jesus selbst Teil dieser Geschichte wird.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, die Bibel einmal wie einen unbekannten Manga aufzuschlagen: neugierig und ohne sich von Cover oder Seitenzahl abschrecken zu lassen. Denn manchmal merkt man erst nach den ersten Seiten, dass eine Geschichte mehr mit dem eigenen Leben zu tun hat, als man gedacht hätte.

Jenny Eisbein, Dipl.-Theologin und Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises Soltau