Einmal Geduld, bitte!

Nachricht 19. September 2026

Andacht vom 19. September 2026

Im Drogeriemarkt – eine lange Schlange an der Kasse. Ein älterer Herr will mit Karte bezahlen. Er tippt kurz, dann hält er inne, lässt die Hand sinken. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnet er sein Portemonnaie und schaut ratlos hinein.

Die Kunden hinter ihm werden ungeduldig. Sie wechseln von einem Fuß auf den anderen. Weiter hingen nörgelt jemand: „Wie lange soll das denn noch dauern?!“ Ein anderer ruft lauter: „Was ist denn da los? Machen Sie mal die zweite Kasse auf!“ Der alte Mann schaut sich unruhig um. Schweißperlen treten ihm auf die Stirn.

Die Kassiererin bleibt ganz geduldig. Sie lächelt den Mann an und sagt: „Machen Sie mal ganz in Ruhe. Einmal gut durchatmen.“  

Da löst sich aus der Schlange eine Frau. Sie geht nach vorne zu dem alten Mann, legt ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Hallo, Herr Augustin, ich bin’s, Frau Benedikt, Ihre Nachbarin. Kann ich Ihnen helfen?“ Sichtbar entspannt er sich, atmet hörbar aus. Er erkennt seine Nachbarin, zum Glück hat sie ihren Namen gesagt. Den hätte er nicht mehr gewusst. Sie zeigt auf das Portemonnaie: „Sie können auch mit Bargeld bezahlen.“ Zusammen suchen sie das Geld heraus.

Die Kassiererin zeigt ihm lächelnd den hochgereckten Daumen. Er strahlt.

Während Herr Augustin und Frau Benedikt die Einkäufe in der Tasche verstauen und aus der Tür gehen, sagt die Kassiererin zum nächsten Kunden: „Meine Mutter wusste irgendwann nicht mehr, wozu eine Tasse gut ist. Und die Schlüssel haben wir oft im Kühlschrank gefunden. Menschen mit Demenz vergessen manchmal, wie man Sachen verwendet.“ Der Kunde antwortet: „Ach so, der alte Mann hatte Demenz?! Wusste ich nicht.“ – „Natürlich nicht, das sieht man nicht. Und man merkt es auch nicht gleich. Wissen Sie: Bei meiner Mutter ist zwar nach und nach der Verstand verschwunden, aber ihr Gefühl ist ja geblieben! 23,80 Euro, bitte!“ – „Mit Karte bitte! Das Gefühl ist geblieben? Wie meinen Sie das?“ – „Na, sie konnte ganz genau spüren, ob jemand genervt ist, unfreundlich oder gar böse. Das hat sie ganz schnell gemerkt! Aber wenn jemand freundlich mit ihr gesprochen hat und geduldig, dann war alles prima.“ – „Ach so… Und ich brauche noch einen Gutschein über 20 Euro, bitte! Und ach, ich brauche wohl noch was: Einmal Geduld, bitte!“ – „Gerne! Bitteschön.“

Vom 21. bis 27. September ist die Woche der Demenz.

Maren Zerbe, Pastorin in der Kirchenregion Schneverdingen-Neuenkirchen-Heber (Kirchenkreis Rotenburg)